Englischlehrerassistent in Mae Sai

(von Konstantin, 16.07.2015)

Die Zeit hier in Mae Sai verging, nach den ersten Monaten der Eingewöhnung, irgendwie verdammt schnell. Seit den letzten paar Wochen halten sich die Gedanken an den doch sehr baldigen in meinem Kopf und von Tag zu Tag melden sie sich öfter. Was ich jetzt schon sagen kann, ist das dieses Jahr ein unfassbar Wunderschönes und Lehrreiches war, insbesondere die Arbeit an meiner Schule.

Das fängt bei den Lehrern an, die sich von Anfang an außergewöhnlich um mich gekümmert haben und mich zu einem festen Teil der Lehrerschaft gemacht und in der Schularbeit eingebunden haben. Über 16 Stunden Unterricht in der Woche, und das auch noch in zwölf unterschiedlichen Klassen (Grundschule, Klassenstufe 1 bis 6) habe ich am Anfang zwar geschluckt, bin aber im Nachhinein mehr als glücklich zu jedem Schüler meiner Schule unterrichtet zu haben.

Ich war mit bei Wettbewerben, habe mit den Erst- und Zweitklässlern einen Ausflug ins Elefantencamp gemacht, war bei jeder Lehrerfeier eingeladen, durfte die Parade meiner Schule am Sporttag in Mae Sai anführen – für solche Erlebnisse bin ich, auch Hope For Life für die Vermittlung, sehr, sehr dankbar. Ebenso freut mich, dass meine Freiwilligenarbeit an der Schule auch notwendig war. Die Schule hatte bis vor wenigen Tagen lediglich drei Englischlehrer, mich eingeschlossen, was bei mehr als 400 Schülern mehr als unzureichend war. 

Der Mangel an Englischlehrkräften führte auch dazu, dass ich teilweise Klassen alleine unterrichtet habe, was besonders bei den untersten drei Klassenstufen die Kommunikation und damit auch den Lernfortschritt doch erschwerte. Außerdem lernen die Kinder ab Klasse 1 neben Thai und Englisch auch noch Chinesisch, womit viele Schüler überfordert sind. Für die Schüler, welche aus Myanmar kommen und größtenteils auch noch im Grenzort Tachileik leben, sind das drei Fremdsprachen mit jeweils unterschiedlichen Schriften! Hier sollte eventuell mal das Schulgesetz überarbeitet werden...

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich den unteren Klassen in meinem Jahr nicht mehr als ein Gefühl für die englische Sprache (neben Vokabeln und einfachsten Sätzen) vermitteln konnte. In den oberen Klassen lief es deutlich besser, ich konnte meine Englischkenntnisse teilweise einsetzen und habe viele alltagsnahe Themen (vor allem Dialoge) behandelt.

Nach dem Jahr kenne ich den Großteil meiner Schüler sowie ihre sozialen und kulturellen Hintergründe ziemlich gut und denke immer wieder von neuem: Das kann jetzt eigentlich noch nicht zu Ende sein! Der Abschied von der Ban Mueng Dang School wird mir unfassbar schwer fallen.

Mae Sai – als ich meinen Einsatzort erfahren habe, habe ich zugebenermaßen keine Freudensprünge gemacht. Mit der Zeit habe ich das Leben hier sehr wertgeschätzt: Man kommt innerhalb von 30 Minuten überall hin, die kulturelle Vielfalt ist mit Thais, Burmesen, Chinesen, Moslems und  Bergvölkern enorm, der Grenzverkehr lässt die Kleinstadt pulsieren und durch die Vielzahl an Garküchen müsste man wohl in einem Jahr nirgendwo zweimal essen.

Die sozialen Gegensätze sind mit Prunkvillen und Tagelöhnern, die sich für 100 Baht (weniger als drei Euro) am Tag verdingen, enorm. Im Zugeder chinesischen Außenpolitik, in Planung ist eine Autobahn von China durch Myanmar durch Mae Sai nach Thailand, wird sich die Wirtschaft hier in den nächsten Jahren rasant entwickeln. Ich hoffe, dass dabei der Abbau von sozialen Disparitäten nicht zu kurz kommt.

Als ich mich auf Reisen mit Travellern über meine Tätigkeit unterhalten habe, kam es oft zwangsläufig (wahrscheinlich durch mein Schwärmen begründet) zur Frage: „Mae Sai – Lohnt es sich dort mal vorbeizuschauen?“ „Touristisch nicht wirklich interessant, aber unfassbar lebenswert.“ Mae Sai ist für mich der Ort, der neben Berlin meine zweite Heimat geworden ist, ich freue mich jetzt bereits auf die (hoffentlich baldige) Rückkehr!

Ich selber habe mich in dem Freiwilligenjahr natürlich auch verändert, bin vor allem spontaner, selbstbewusster und noch weltoffener geworden und habe die Lust am Reisen entdeckt.

Die thailändische Kultur hat mich in Bezug auf Freundlichkeit und Respekt stark geprägt, ich fühle mich derzeit„Thai“! - bis auf den deutschen Pünktlichkeitsdrang, der lässt sich einfach nicht abstellen. :D

In den letzten Ferien habe ich mich mit einem dort sesshaften Deutschen unterhalten, der meine Aussage, dass es ja bald nach Deutschland zurückgehe, verneinte. „Es geht nicht zurück nach Deutschland, es geht nach Deutschland. Du hast dich verändert und in Deutschland wird sich auch einiges verändert haben.“

Ich denke, das passt ganz gut. Ich freue mich schon auf mein „neues Leben“ in Deutschland, im Moment überwiegen aber die Vorfreude über letzte Erlebnisse hier und die Trauer über den baldigen Abschied deutlich.

Bis bald Thailand, du wirst vermisst werden. 


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