Als Assistent in einer Schule auf den Malediven

(von Jan, 25.08.2015)

17 Tage bin ich nun wieder zurück in Deutschland und versuche rückblickend die Erfahrungen zu bewerten, die ich während meines zweimonatigen Aufenthalts auf den Malediven gemacht habe. Nach einer Nacht im Flugzeug landete ich am frühen Sonntag in Malé, der Hauptstadt der Malediven. Zunächst fuhr ich zusammen mit einem Betreuer der Organisation mit dem Taxi in ein Hotel. Wir gingen Mittagessen und mir wurde erklärt, dass ich zunächst noch 2 Tage in der Hauptstadt verbringen würde, ehe ich weiter zu meiner Einsatzinsel fliegen würde. In den 2 Tagen wurde mir die Hauptstadt gezeigt, meist auf einem Roller als Fortbewegungsmittel. Deutsche Sicherheitsnormen, wie das Tragen eines Helms wurden hierbei selbstverständlich gründlich vernachlässigt, ich fragte aber auch nicht weiter nach und fühlte mich überraschend sicher in dem Verkehrschaos der am dichtesten besiedelten Hauptstadt der Welt. Straßenschilder, Ampeln oder Rechtsfahrgebot sind hierbei wohl nur als nett gemeinte Ratschläge zu verstehen und werden von sämtlichen Verkehrsteilnehmern gerne ignoriert. 

Nach diesen 2 Tagen ging es wiederum mit Flugzeug und Speedboot zu meiner Einsatzinsel. Da es tagsüber sehr heiß ist, finden viele Dinge auf den Malediven entweder früh morgens oder spät abends statt, so auch der Flugverkehr. So kam ich gegen halb 3 nachts auf der Insel an und war zunächst von meinem Zimmer äußerst positiv überrascht. Hygiene, Ausstattung und Badezimmer, daran gab es auch nach europäischen Standards kaum etwas zu meckern. Am nächsten Morgen lernte ich meine Gastfamilie kennen, inklusive ihres dreijährigen Sohnes Haikal. Mit ihm verbrachte ich viel Zeit, auch wenn es nicht einfach ist, Kinder zu bespaßen, wenn das einzige englische Wort, welches verbindet "Fish" lautet. Oftmals war es jedoch trotzdem lustig. Grimassen schneiden, kitzeln und herumrennen finden Kinder wohl überall auf der Welt lustig. 

Die nächsten Tage wurde mir die Insel Stück für Stück bekannter. Es ist schwer zu sagen wie groß sie nun tatsächlich war. Es gab 3 Moscheen, 5 oder 6 sehr kleine Läden und einen Sportplatz zum Fuß- und Volleyball spielen. Mehr nicht. Keine Autos, Keine Straßen, Keine richtigen Häuser. Es sind kleine Häuser, Stein auf Stein gesetzt und ein Wellblech als Dach darüber gelegt. Es ist auch schwer zu sagen, wie viele Menschen denn tatsächlich auf der Insel leben. Vielleicht 300, Vielleicht 500, so genau nachzuzählen scheint das niemand. Sicherheitsmaßnahmen sind oft kaum vorhanden, keine Fenster, sondern Fliegennetze mit Gittern oder teilweise einfach Löcher in der Wand als Fenster. Es kann dann reinregnen, macht ja aber nichts, bei den Temperaturen trocknet alles schnell und es gibt kein Parkett, Laminat oder sonstigen luxuriösen Fußboden der Schaden davontragen könnte. 

Zum Einsatz kam ich dann nach gut 2 Wochen in der sogenannten Preschool der Insel. Es ist schwer zu sagen, ob es eher unter Grundschule oder Kindergarten einzuordnen ist, Es wird wesentlich mehr Wert auf Lernen gelegt als in einem Kindergarten und die Kinder lernen in einem Alter von gut 3 Jahren auch immerhin schon die ersten Worte Englisch. Das ist neben weiteren Sprachen eine Grundvoraussetzung um möglicherweise im späteren Leben außerhalb der Insel arbeiten und leben zu können. Ich habe persönlich nur wenig mit den Kindern gearbeitet, manchmal kümmerte ich mich um Einzelne oder heiterte die Gruppe mit Jonglieren oder vergleichbaren Dingen auf, für die Hauptaufgaben und die Betreuung waren aber die Kindergärtnerinnen verantwortlich. Ich verstand mich recht gut mit ihnen, sie waren alle in etwa in meinem Alter zwischen 18 und 23. Meine Aufgaben lagen im Bereich eines Computer-Assistenten, so zum Beispiel das Anfertigen und Drucken von Blättern mit Ausmahlmotiven für die Kinder. 

Die Preschool dauerte normalerweise von 9-12 Uhr. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was man mit 21 Stunden Freizeit am Tag so alles anfängt. Wer jetzt, wie viele Leute sagt: Das könnte ich nicht, sollte sich das nochmal überlegen. Genau das hätte ich vor meiner Reise auch gedacht. Der Gedanke ist ja auch vollkommen verständlich. Nimmt man in Deutschland die Arbeit und normale alltägliche Dinge wie Fernsehen oder Computer kommt in unserer modernen Welt natürlich schnell Langeweile auf. Der Denkfehler dabei: Den meisten einheimischen Inselbewohnern geht es ähnlich. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Inselbewohner, der mir sagte er könnte mir genau erzählen, was er an jedem Tag in den letzten 10 Jahren gemacht hat. Als ich ihn bewundernd und erstaunt fragte weshalb er das könne, antwortete er nur, dass sowieso jeder Tag gleich sei. Auch die Einheimischen haben keinen Fernseher oder sonstigen Luxus. Es wird sich einfach auf der Straße getroffen, dann erzählt, Karten gespielt, geraucht, Tee getrunken oder sonstiges, Die Sonne wird schon irgendwann wieder untergehen. 

Nach 2 Wochen in der Preschool wurde diese allerdings geschlossen, weil sich unter den Kindern eine Krankheit ausgebreitet hatte. Das bereitete mir zusätzliche 3 Stunden Freizeit, ich war also arbeitslos. Einerseits ist es sicher ein Luxusproblem, sich über zu viel Freizeit auf den Malediven zu beklagen, andererseits ist es schade, das Gefühl zu haben, dass man am Ende eines solchen Freiwilligendienstes nur sehr wenig leisten konnte. 

Ein weiterer Punkt, der sicherlich dazu beitrug ist, dass mein Aufenthalt die gesamte Zeit des muslimischen Fastenmonats Ramadan umfasste. Staat und Religion sind auf den Malediven nicht getrennt, um die Staatsangehörigkeit zu erhalten muss man Muslim sein. Daher herrscht selbstverständlich während des Ramadan Ausnahmezustand. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird nicht gegessen. Problematisch war es für mich nicht, ich durfte trotzdem essen, bekam auch ein warmes Mittagessen zubereitet, allerdings fährt die Aktivität der Einheimischen doch deutlich zurück und das Leben verschiebt sich noch weiter in die Nacht als sowieso. So fanden Sportaktivitäten wie Fußball spielen von 22 Uhr bis etwa 0:30 Uhr statt, um der Hitze und dem Hunger aus dem Weg zu gehen. 

Highlights blieben die Wochenenden, welche Freitag/Samstag und nicht wie gewohnt Samstag/Sonntag anstehen. Ausflüge zu anderen Inseln zum Beispiel, bei denen geschnorchelt, gefischt und gegessen wurde. Ein ganz besonderes war sicherlich das "Overnight-Picknick", bei dem wir mit etwa 10 Einheimischen auf eine andere, kleine, unbewohnte Insel fuhren und dort grillten, über dem Feuer kochten, nachts schnorchelten und schließlich ohne Zubehör am Strand schliefen. Kein Zelt, Keine Matratze, Keine Decke, nicht mal ein Handtuch zum unterlegen. Nur in den Sand legen und einschlafen, zum Geräusch des Ozeans auf den Malediven. Sicherlich war es in Wahrheit weniger romantisch als es sich anhört, wir schliefen wenig und ich für meinen Teil kann sagen, auch nicht besonders gut. Aber wer kann bitte von sich behaupten am Sandstrand der Malediven in T-Shirt und Badehosen geschlafen zu haben. 

Nach einer besagten kurzen Nacht gingen wir morgens ein weiteres Mal schnorcheln, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Das Schnorcheln gehört zweifelsohne zu den beeindruckendsten Dingen, die ich bisher erleben durfte. An jenem Morgen schwammen wir mit Schildkröten und Rochen. Es ist wie in einem Naturfilm. Blaues Wasser, Strahlender Sonnenschein und unberührte Tierwelten. 

Alles in allem lässt sich rückblickend sagen, dass ich sicher Erfahrungen gemacht habe, die so nicht jeder macht und dass ich nicht nur Tourist sein durfte, sondern durch die besondere Nähe auch etwas von der wunderbaren Kultur und ganz speziellen Lebensweise und Mentalität mitnehmen konnte. Allerdings gab es auch langweilige Stunden, die aber gerade im Rückblick verschwindend gering erscheinen, wenn man die Ereignisse gegenüberstellt, die ich erleben durfte. Eine wunderbare Zeit und eine unglaubliche Erfahrung. Jedem zu empfehlen.

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