Meine ersten Monate als Lehrerassistentin in Peru

(von Theresa, 07.10.2015)

Zwei Monate bin ich schon nun hier in Peru, doch es fühlt sich so viel länger an. Hier erlebt man einfach jeden Tag so viel neues, auch wenn jetzt langsam schon der Alltag eingekehrt ist.

Wir wohnen hier in Piura bei Pocha, unserer 50 jährigen Gastmutter, ihren zwei Töchtern, dem Mann und den zwei kleinen Kindern von der einen Tochter und Pochas Enkelin. Dazu kommen dann Pochas andere zwei Kinder mit Familie noch jeden Tag vorbei, also ist hier immer viel los.

Piura ist die Hauptstadt der Region Piura, so ist die Stadt ein bisschen größer, auch wenn es nicht wirklich viele Sehenswürdigkeiten gibt.  Wir arbeiten jedoch nicht in Piura, sondern in Alto de los More, was mit dem Bus und dem Moto ca 45 Minuten von Piura weg ist. Alto de los More hat circa 3000 Einwohner und ist wirklich ganz anders wie Piura. Hier gibt es keine Straßen, nur überall Sand, die Menschen fahren hier zum Großteil noch mit Eselskarren herum, die Häuser sind irgendwie aus Lehm zusammengebaut und die ganze Familie hat nur einen Raum, in dem sie schläft, isst, kocht und eben alles macht. Hinter dem Haus hält dann jede Familie ihre Tiere, also Esel, Schweine und Hühner. Die meisten Väter arbeiten entweder als Reisbauern oder Motofahrer und verdienen dementsprechend nicht sehr viel. So können sich viele Familien dann nicht einmal leisten, dass ihre Kinder nach der 6. Klasse in die weiterführende Schule gehen da sie jeden Tag 1 Sol ( ca 30 ct) für die Fahrt dorthin bezahlen müssten.

Das ist nur einer von vielen Punkten in denen die Hilfsorganisation, für die wir hier arbeiten, hilft. Sie zahlen den Kindern die Transportkosten, dass diese jeden Tag zur Schule gehen können und ermöglichen es auch den guten Schülern in der Oberstufe, dass diese studieren gehen können. Außerdem gibt sie Microkredite an die Familien, mit denen sie sich dann zum Beispiel ein Schwein kaufen können oder Mais, von dem Microkredit müssen sie dann nur die Hälfte zurück zahlen. Die Organisation hilft auch kranken Personen, indem sie diesen das Geld für dringend benötigte Medikamente gibt, was sich die meisten Bewohner nicht leisten können, oder sie geben Geld dazu wenn jemand stirbt für die Beerdigungen, Denn für die Menschen hier sind relativ kleine Beträge wie zum Beispiel ein Medikament für 50 Euro, oder eben die Busfahrt jeden Tag schon zu viel und so würden sich manche ohne die Hilfe nicht einmal lebenswichtige Medikamente leisten können.

Das Hauptprojekt der Hilfsorganisation ist aber die Bildung, vor allem in der Grundschule in Alto de los More. Dort unterrichten die Freiwilligen Englisch weil die Lehrer kein Englisch können und so würde es ohne die Freiwilligen gar keinen Englischunterricht geben. Außerdem hilft die Organisation der Schule mit Spenden, macht Ausflüge mit den Schülern und bietet mittags eine Bibliothek an, in die die Kinder kommen und lesen und spielen können. Der Englischunterricht und die Bibliothek sind unsere Hauptaufgaben hier, und so sieht ein normaler Tag bei uns hier aus:

Um neun Uhr gehen wir los zum Bus, und sind so um zehn in der Bibliothek. Dort bereiten wir den Unterricht oder die Bibliothek für den Nachmittag vor, bis wir um elf in die Schule gehen. In der Schule fängt um elf die große Pause an, und so spielen wir mit den Kindern Fangen, Volleyball, Fußball... oder reden einfach nur mit den älteren. Die Kindern wollen immer ganz viele Begriffe in Englisch wissen, doch die Hauptfrage ist auf jeden Fall ob wir Kinder haben und wenn nicht dann wenigstens gerade schwanger sind. Sie sind dann fast entsetzt, dass wir in Deutschland mit 19 noch keine Kinder haben, deshalb wird die Frage einfach jeden Tag wiederholt und wieder und wieder gefragt. Die Kinder sind aber alle soo herzlich, sie freuen sich jeden Tag wenn man kommt und wollen einen umarmen, küssen und hochgenommen werden. Eine Zeit lang haben die Kinder auch immer Briefe geschrieben, wie froh sie sind, dass wir da sind und ihnen Englisch beibringen, das war richtig süß vor allem weil einige dann noch kleine Geschenke reingepackt haben wie zum Beispiel einen Nagellack oder eine Kette, die wir natürlich nicht angenommen haben. Es ist einfach so schön zu sehen, dass die Kinder, obwohl sie selbst nichts haben, hier zum Beispiel ihr Essen mit den anderen Kindern teilen.

Nach der dreißigminütigen Pause fängt dann der Englischunterricht an. Montags und Mittwochs unterrichten wir in der 6. und in der 5., Dienstags und Donnerstags in den beiden 4. Klassen. Weil vor uns ein halbes Jahr kein Freiwilliger da war hatten die Kinder in dieser Zeit eben auch keinen Englischlehrer und so können sie fast gar nichts, obwohl die sechste Klasse ja eigentlich schon Englischunterricht hatte. Ein weiteres Problem ist, dass die Kinder hier keine Hausaufgaben aufbekommen und so von den zwei Stunden Englisch in der Woche leider oft nicht viel hängen bleibt. Das ist manchmal echt ernüchternd, doch wenn es dann wenigstens ein Kind verstanden hat und jetzt die Uhrzeit auf Englisch sagen kann freut man sich umso mehr.  Vor allem die sechste Klasse ist echt anstrengend manchmal, weil es eben 37 Schüler in einer Klasse sind die jetzt langsam in die Pubertät kommen und so wenig Lust auf Englisch haben. Um eins endet dann die Schule und wir gehen zum essen zu Ines. Das ist die Leiterin der Organisation hier, weil die Gründerin Margie ja in Kanada lebt. Ines wohnt direkt neben der Bibliothek und so kocht sie uns jeden Mittag ein typisch peruanisches Mittagessen, d.h. Reis, Fleisch oder Omelett, Gemüse und eine Soße.

Um zwei startet dann die Bibliothek. Montags und Mittwochs dürfen die Kindergartenkinder, Erstklässler und Zweitklässler kommen, Dienstags die Dritt-, Viert-, Fünft-, und Sechstklässler, und Freitags wird immer abwechselnd mit beiden Gruppen ein Film geschaut. Wenn die Kinder in die Bibliothek kommen müssen sie erst einmal eine halbe Stunde lesen, weil viele von ihnen obwohl sie jetzt schon in die zweite oder dritte Klasse kommen, nicht lesen können.

Dann steht Arte auf dem Programm, davor müssen wir uns immer überlegen was wir heute mit den Kindern machen könnten und es ist echt nicht so einfach sich jeden Tag etwas neues einfallen zu lassen. Am liebsten machen die größeren Kinder Freundschaftsbänder und die Jüngeren malen. Wenn die Kinder fertig mit basteln sind, manche geben sich mehr Mühe, andere wollen schnell fertig basteln, dürfen sie Spiele spielen oder Puzzlen. Wir spielen dann oft mit den Kindern Memory oder helfen beim Puzzeln. Um vier endet die Bibliothek und jeder bekommt zwei Sticker. Wir helfen noch aufräumen und machen uns dann wieder auf dem Weg nach Piura, wo wir  um fünf wieder ankommen. Weil in und um Piura fast keine Touristen sind werden wir oft von den Peruanern angesprochen woher wir denn kommen, und vor allem im Bus hatte ich so schon echt interessante Gespräche, wo sie dann viel gefragt haben über Deutschland aber auch von sich erzählt haben. Auf einem Fest in einem kleinen Ort neben Piura wurden wir sogar mal von den Peruanern fotografiert und der Bürgermeister wollte ein Bild mit uns machen.

Wenn wir dann um fünf wieder in Piura ankommen gehen wir noch einkaufen, weil unsere Gastfamilie nur Zimmer vermietet und wir uns so eben Essen und Trinken selbst kaufen müssen. Die Wochenenden haben wir immer frei, auch wenn die Kinder hier jetzt auch Samstags Schule haben, weil wegen dem „El nino“ die Sommerferien  jetzt schon Ende November anstatt Ende Dezember anfangen.

Hier ist eben doch ziemlich viel anders und an manches gewöhnt man sich schneller, jeden Tag Reis, das super leckere Obst, die Märkte und manches dauer noch ein bisschen wie zum Beispiel eine halbe Stunde im Supermarkt an der Kasse anstehen oder dass überall auf dem Markt lebende Tiere in Plastiktüten verkauft werden.

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