Freiwilligendienst in einem Kinderheim in Ghana

(von Milena, 10.10.2015)

6 Wochen – das sind 42 Tage, 1008 Stunden, 60.480 Minuten und 3.628.800 Sekunden. Und genau so lange bin ich jetzt schon hier in Ghana, dem Land. Was habe ich die letzten Wochen so erlebt? Was für Herausforderungen haben sich mir gestellt? Was sind allgemein meine Aufgaben als Freiwillige hier in dem Land, das früher Goldküste genannt wurde? Nun, darüber möchte ich jetzt ein bisschen berichten.

Zunächst einmal sind wir alle müde und abgekämpft am 13. August in Accra, der Landeshauptstadt Ghanas, angekommen und wurden gleich vom Leiter der ghanaischen Organisation, Williams, abgeholt. Kurz darauf machten wir unsere erste, richtig afrikanische Erfahrung – der Verkehr. Chaotisch, laut, dreckig, um nur ein paar passende Attribute zu nennen. Aber mir gefällt’s irgendwie.

In den ersten 1 ½ Wochen hatten wir eine Orientierung, in dem wir über die Do’s and Dont’s der Gesellschaft, verschiedene Touristenziele, Gesundheit und Sicherheit in Ghana redeten. Auch wurde uns in dieser Zeit die Stadt Agona Swedru gezeigt, wie wir am besten zu den zentralen Punkten kommen, wo es das beste Essen gibt und wurden so sanft in die neue Kultur eingeführt, sodass der heftige Kulturschock bei mir erstmal auf sich warten ließ. Während dieser Zeit waren wir Freiwillige noch alle nah beieinander und lebten bei temporären Gastfamilien, ich selbst war direkt bei Williams untergebracht. Dort genoß ich Fufu und andere ghanaische Leckereien und die ein oder andere twi – Stunde. (Twi ist die hier meistgesprochene Sprache, auch wenn eigentlich Englisch die offizielle Sprache ist).

Nach diesen 1 ½ Wochen Orientierung zogen wir jedoch alle in unsere endgültigen Gastfamilien und zu unseren Projekten um. Nun ja, ich landete also völlig unerwartet fünf Stunden weiter weg von Agona Swedru, im nächsten Distrikt, der Eastern Region, in einem Kinderheim mitten im – man kann es nicht anders sagen – Nirgendwo. Und dann kam der eigentlich schon erwartete Kulturschock. Denn das Heim, in dem ich gelandet war, hat kein fließend Wasser und fast kein Telefonnetz (mittlerweile habe ich jedoch schon einige Spots gefunden – der beste Empfang ist neben dem Plumpsklo). Auch war ich – wie zuvor angenommen – in keiner Gastfamilie gelandet, sondern lebte direkt im Kinderheim und habe somit die Kinder 24 Stunden um mich herum. Die ersten Tage alleine in Nsutam waren somit sehr hart für mich, verbunden mit einigen organisatorischen Schwierigkeiten. Würde ich das Jahr schaffen? Würde ich hier je glücklich werden? Nach einigen bitteren Tränen und mulmigen Tagen habe ich mich allerdings hochgekämpft und das ganze viel mehr als eine Herausforderung gesehen – die Kinder leben teilweise ihr ganzes Leben schon so, und ich muss das ja „nur“ ein Jahr „aushalten“.

Mittlerweile bin ich auch richtig glücklich hier in Nsutam. Denn, anders als die anderen, lerne ich einfach die Kinder richtig kennen, kann mit ihnen rumalbern, sie in ihren Sorgen und Nöten unterstützen und vor allem ihnen viel Aufmerksamkeit schenken. Zusätzlich zu dem Heim arbeite ich jetzt auch noch in der Schule, die direkt gegenüber liegt. Die ghanaische Lehrweise ist sehr frontal und komplett anders als die deutsche und auch hier kommt der Stock häufig zum Einsatz. Ich unterrichte Englisch in der 4. – 8. Klasse und habe sogar einen richtigen Stundenplan. Somit unterrichte ich also vormittags die Kinder, die teilweise aus dem Dorf, teilweise aus dem Heim kommen und lerne über die Gespräche mit den Lehrern auch viel über die Probleme und Chancen Ghanas. Nachmittags helfe ich dann noch im Heim mit, sei es bei der Essensvorbereitung, beim Baden der Kinder oder bei den Hausaufgaben. An den Wochenenden treffe ich mich meistens mit den anderen Freiwilligen, auch wenn das für mich, da ich so weit weg von den anderen bin, jedes Mal eine halbe Weltreise bedeutet. Bisher waren wir schon im touristisch bestens erschlossenen Cape Coast und im Kakuum Nationalpark.

Was mir jetzt schon auffällt? Ich habe mich jetzt, nach nur sechs Wochen, schon verändert. Ich merke, dass ich die kleinen Dinge im Leben viel mehr zu schätzen weiß, sei es jetzt fließend Wasser oder Strom (der nur nachts für 5 – 6 Stunden da ist). Ich merke, dass ich alles, was wir in Deutschland so haben, anders wahrnehme und für so ziemlich alles dankbar bin. Ich merke, wie oberflächlich doch vieles, was uns im Leben wichtig scheint, ist, sei es jetzt Mode, Make-up oder der Wetterbericht, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und vor allem merke ich, wie sich meine Wahrnehmung im Bezug auf Freiwilligendienste geändert hat.

So ungern man sich das vielleicht eingestehen mag – so ein Freiwilligendienst verändert in den Ländern selbst unglaublich wenig, von Entwicklungsarbeit kann man da gar nicht sprechen. Doch für einen selbst als Person ändert so ein Freiwilligendienst alles. Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen und Monate noch für mich bereit halten und freue mich auf alle Widrigkeiten und Erfolge, die sich mir stellen mögen. 

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