Lehrerassistent in einem Kinderdorf in Ghana

(von Jakob, 01.12.2015)

Seit drei Wochen bin ich nun schon hier in Akim Oda, einer Stadt ca. vier Autostunden nordwestlich von Accra, der großen Hauptstadt Ghana‘s. Rückblickend kann ich sagen, dass diese Wochen natürlich sehr ereignisreich und teilweise anstrengend waren, ich es aber zu keinem Moment bereut habe hier zu sein.

Die ersten Tage brachten natürlich den erwarteten Kulturschock mit sich, obwohl ich mir das meiste relativ ähnlich vorgestellt habe, wie ich es im Endeffekt hier auch vorgefunden habe. Was mir allerdings nicht ganz bewusst war ist, dass ich außerhalb meines Zimmers hier meine komplette Privatsphäre verliere, da ich als einer von schätzungsweise zehn Weißen unter 50000 Einwohnern auf Schritt und Tritt beobachtet, begafft oder bejubelt werde. Wenn ich nach Hause komme, weiß meine Gastmutter meistens schon von irgendeiner Freundin auf welchen Straßen ich mich die letzten Minuten bewegt habe.

Über meine Gasteltern lässt sich nur positives berichten. Die beiden, immer fröhlichen, Lehrer sind wirklich sehr um mein Wohlbefinden bemüht. Auch wenn es kein fließend Wasser gibt, habe ich mir dafür das lokale Essen um einiges schlimmer vorgestellt.

In der zweiten Woche gab es ein paar Tage, in denen mir dann aber so langsam die ghanaisch-afrikanisch Mentalität einfach zu viel wurde und ich bei vielen Dingen nur noch mit dem Kopf schütteln konnte - nicht weil anders wie ich gewohnt, sondern einfach objektiv betrachtet in vielen Punkten problematisch. Angefangen vom Umgang mit Müll und der Umwelt, über den oft unbegründet gewaltsamen Umgang mit den Kindern und das sehr raue Verhältnis der Menschen untereinander, besonders unter den Kindern, bis hin zu dem so beschränkten Horizont vieler Menschen und der in meinen Augen schwierigen, sehr verantwortungsabtretenden Auslegung ihrer Religion. Und zu guter Letzt wundere ich mich auch immer wieder über das so unfortschrittliche und nicht-zielorientierte Denken vieler Ghanaer.

Ich glaube vieles davon ist schwer sich vorzustellen ohne es selbst erlebt zu haben - aber das ist ja auch der Hauptgrund für mich, hier zu sein: Mich mit einer anderen Mentalität auseinanderzusetzen, daraus für mich die richtigen Rückschlüsse zu ziehen, und dabei noch etwas Gutes zu tun.

Seit letzter Woche muss ich aber sagen, dass ich mich von Tag zu Tag immer wohler fühle. Ich habe mich an vieles gewöhnt, und habe verstanden, dass es einfach das Beste ist, über viele Dinge mit einem Lächeln hinwegzusehen. Auch das Unterrichten, meist Englisch oder Mathematik, macht mir echt Spaß, auch wenn es manchmal nicht leicht ist in einer fünften Klasse, bestehend aus dreißig, scheinbar munter zusammengewürfelten zehn bis fünfzehnjährigen, für Ruhe zu sorgen. Da ist es oftmals gut, dass meist noch ein Lehrer im Klassenzimmer sitzt, der mit seinem Schlagwedel in der Hand spielt, auch wenn ich diese dauerhafte Einschüchterung in der Schule natürlich für eine absolut kontraproduktive Erziehungsmaßnahme halte. Die Lehrmethoden der Lehrer sind teilweise sehr fragwürdig: Nach Morgengebet, Anwesenheitskontrolle und täglicher Schulgebührbezahlung läuft jede Schulstunde ungefähr gleich ab: Nach einer kurzen Vorstellung des neuen Themas antworten die Schüler auf die Frage, ob alles klar sei, routinemäßig mit ‚Yes Sir‘. Dann haben sie den Rest der Stunde Zeit, ein paar kleine Aufgaben zum neuen Thema zu machen, wobei alle voneinander abschreiben, die am Ende eingesammelt und benotet werden. Ich habe in den drei Wochen noch kein einziges Mal erlebt, dass ein Schüler eine Frage gestellt hat. Ich habe mir für die nächsten Wochen vorgenommen, daran ein bisschen etwas zu ändern und den Kindern zumindest einen kleinen Blick über ihren so hohen Tellerrand zu ermöglichen. 

Ich habe bisher einzelne Schulstunden, entweder in Rücksprache mit den Lehrern, oder spontan als Vertretung ausgefallener Lehrer selbstständig unterrichtet. Die meiste Zeit über assistiere ich in einer fünften Klasse, indem ich Aufgaben korrigiere oder einzelnen Schülern Dinge noch einmal versuche näher zu bringen. Es ist dann natürlich schön zu sehen, wenn meine Bemühungen erste Früchte tragen. 

Nach den etwas kritischen Worten muss ich abschließend aber sagen, dass jeder einzelne Ghanaer, mit dem ich mich ausführlicher unterhalten habe, wirklich sehr freundlich, offen, respektvoll und zuvorkommend war.

Die Organisation hier vor Ort bietet mir Ansprechpartner für alle Fragen und hat mich bei Visaverlängerung und sonstigen kleineren Problemen bisher gut unterstützt. Sie hat in den nächsten Wochen verschiedene Aktionen hier vor Ort geplant, bei denen wohl auch andere Freiwillige, die hier bei mir im Umkreis leben, beteiligt sind. Mit einigen von ihnen bin ich an den vergangenen Wochenenden schon etwas herumgereist, das werden wir auch in Zukunft tun.

Ich freue mich sehr auf die kommenden Wochen und Monate hier in Ghana und bin gespannt, was mich noch alles an Überraschungen erwartet. 

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