Meine Zeit im Centro Cultural in der Dominikanischen Republik

(von Elena, 15.12.2016)

KLK ? (commo estas?), ist die gängige Begrüßungsformel von der einheimischen Jugend und ich freue mich, dass ich mich nun sowohl fühle, sodass ich immer voller Überzeugung mit: "estoy mui bien", antworten kann. Meine vierte Woche geht nun schon im Kulturzentrum in der Nähe von Santo Domingo zu Ende und ich freue mich sehr auf die zwei weiteren Monate, die mich noch erwarten. Das Zentrum befindet sich in der Gemeinde La Piedra. Diese Gemeinde besteht aus der ärmsten Schicht der Bevölkerung.

Das Zentrum bietet ihnen Essen, medizinische Versorgung, sowie Bildung für ihre Kinder und ist stets bemüht das Gemeinschaftsgefühl der Menschen in La Piedra zu stärken, sodass sie gemeinsam an einer besseren Zukunft arbeiten können. 

Am Anfang meines Freiwilligendienst gab es zwei Nachrichten, die mir ein wenig Sorgen bereitet haben. Diese waren zum Einen, dass in meinem ersten Monat keine anderen Freiwilligen Vorort sein würden und zum Anderen, dass die Schule ebenfalls erst in einem Monat starten würde. Was würde ich also den ersten Monat machen, wenn der Unterricht noch nicht stattfindet und mit wem sollte ich meine Freizeit verbringen, wenn keine anderen Freiwilligen da seien würden? Jedoch habe ich hier bereits gelernt, dass jede vermeintlich schlechte Situation oder jedes Problem, sich auf irgendeine Art und Weise fügen wird, wenn man versucht das Beste aus dieser zu machen. 

Tatsächlich hat sich alles zum Guten gewendet und die Sorgen blieben unbegründet. Dadurch, dass anfänglich keine anderen Freiwilligen da waren, war es mir möglich die paar Fetzen Spanisch, die ich gelernt hatte, um Einiges zu verbessern. Schließlich wollte ich die Menschen in der Gemeinde kennenlernen und dafür war es unbedingt notwendig, mich mehr mit dem Erlernen der Spanischen Sprache zu befassen. Ich kann jedem nur empfehlen sich bereits vor diesem Freiwilligendienst intensiv mit der spanischen Sprache auseinanderzusetzen und am Besten einen Sprachkurs zu belegen. Somit wird man es am Anfang, wenn alles noch neu und fremd ist, viel einfacher haben. Des Weiteren konnte ich bereits viele einheimische Freunde finden, mit denen ich auch die letzten Wochenenden im Dorf verbracht habe. Aber natürlich freue ich mich auch schon darauf wenn diese Woche endlich andere Freiwillige eintreffen und ich auf meinem Zimmer nicht mehr alleine bin. 

Dadurch, dass die Schule noch nicht direkt angefangen hat, ist es möglich gewesen, dass ich bei den Reorganisationsarbeiten der Schule mithelfen konnte. Dies bedeutet, die Klassenräume sanieren, alles aus den Räumen heraustragen, putzen und wieder einräumen, den Boden zu erneuern, Stromleitungen verlegen und Unterrichtsmaterial sowie Bücher zu sortieren. Außerdem habe ich für zwei Wochen an der lokalen Schule Englisch unterrichtet und konnte sehen, wie der Unterricht an staatlich geführten Schulen funktioniert. Die Kinder, die ich dort gemeinsam mit einer Lehrerin Kulturzentrums unterrichtet habe, waren zwischen 11 und 16 Jahren alt und es war toll auch die älteren Kinder der Gemeinde kennenzulernen. Eigentlich hätte heute der Unterricht beginnen sollen, aber nun verhindert höhere Gewalt, den Schulstart. Für die nächsten paar Tage ist hier ein stärkerer Sturm vorausgesagt, weshalb sich der Unterrichtsbeginn noch ein Mal um eine Woche verschieben wird. Mittlerweile kann ich es gar nicht mehr erwarten, den Unterricht mit den Kindern in der Organisation zu beginnen. 

Zu meinem Projekt und warum der Unterricht momentan nicht stattfindet: 

Der Gründer der Organisation, Severino, ist Ansprechpartner für jeden: Mitarbeiter, Schüler Eltern und auch für mich. Jedoch nennt er sich lieber meinen dominikanischen Vater und es fühlt sich sehr schön an nicht nur als Freiwilliger, sondern auch als ein Familienmitglied aufgenommen zu werden. Für Severino und die Arbeit die er hier leistet um den Menschen eine bessere Zukunft zu ermöglichen, kann ich nur all meinen Respekt aufbringen. Es gibt selten Momente in denen er Mal nicht arbeitet, da es einfach so viele Dinge gibt, um welche er sich kümmern muss. Seine neuste Vision ist es, die Gemeinde La Piedra unabhängig zu machen. Unabhängig insofern, dass sie sich selbst mit Essen versorgen können und jegliche Arbeiten eigenständig erledigen können. Daher gibt es viele Tiere und Früchte sowie Gemüse jeglicher Art werden angebaut und auch die meisten Arbeiten können erledigt werden. Seve sagt immer, hier sind wir Elektriker, Bauarbeiter, Maler und Konstrukteure in einem. Jedoch fehlt es momentan noch an Mitteln und fachkundigen Arbeitern, um das Straßennetz zu verbessern. Die Straßen sind bei starkem Regen nicht mehr befahrbar, daher gibt es in solchen Fällen keine Möglichkeit sich fortzubewegen. 

Der Unterricht fand in dem vergangenen Monat nicht statt, da die Organisation zuvor nur mit privaten Förderern zusammengearbeitet hat. Nun wird sie staatlich gefördert, was bedeutet das ein paar Sachen verändert werden. Zum Beispiel gibt es teilweise neues Personal und es werden in der Organisation nur noch Kinder von null bis fünf Jahren betreut. Für die drei- bis fünfjahrigen findet dann der Unterricht statt. 

Des Weiteren habe ich hier schon so viel erlebt, neue Menschen kennengelernt und vor allem viele Erfahrungen gesammelt. Daher habe ich bereits an meinem Ankunftstag gelernt aus zunächst schlechten Situationen, das Beste zu machen. Leider hatte man vergessen mich vom Flughafen abzuholen und da ich mitten in der Nacht ankam, war auch niemand von meiner Organisation zu erreichen. Nachdem der erste Schock überwunden war, konnte ich schon in den ersten Stunden in diesem für mich fremden Land, die Herzensgüte und Hilfsbereitschaft der Dominikaner kennen lernen. Ich traf auf einen Mann und eine junge Frau, die mit dem gleichen Flug wie ich angekommen waren und ebenfalls von ihren Familien vergessen wurden. Somit schlossen wir drei ¨Vergessenen¨ uns zusammen und verbrachten eine sehr lustige Zeit miteinander. Letztendlich bin ich froh, dass ich nicht pünktlich vom Flughafen abgeholt wurde, denn ich habe dadurch zwei tolle Menschen kennengelernt. Beide habe ich an den Wochenenden wieder gesehen und mit beiden möchte ich auch weiter in Kontakt bleiben. 

Generell habe ich von ihnen, aber besonders von den Menschen in La Piedra die ¨Mi casa es tu casa¨ Mentalität kennen und lieben gelernt. Diese Offenheit und Bereitschaft der Menschen alles mit dir zu teilen, obwohl sie selbst so wenig haben, ist einfach bewundernswert. Vom ersten Tag an brachten mir die Menschen Früchte und viele Avokados mit und luden mich zu sich nach Hause ein und wollten stets, dass ich gemeinsam mit ihnen esse. Viel wichtiger jedoch ist, dass sie ihre Erfahrungen und ihre Zeit mit mir teilen. Ich habe in La Piedra schon so gute Freunde gefunden und dank ihnen durfte ich die dominikanische Kultur bereits gut kennenlernen. Ich liebe das Essen, die Sprache und vor allem die Tänze dieses Landes. Nach meiner Feuerprobe mit tanzen am Strand von Boca Chica erklärten mich meine einheimischen Freunde bereits als Dominikanerin und als einen Teil ihrer Familie. Ich bin sehr dankbar für die Zeit, die ich hier verbringen darf und freue mich auf viele weitere Erfahrungen.

Nachtrag:

Seit einer Woche befinde ich mich nun wieder in meiner Heimat Frankfurt und denke ständig an meine zweite Heimat in der Dominikanischen Republik. Ich habe dort tolle Erfahrungen gemacht und so gute Freunde gefunden, sowohl in den Einheimischen als auch in den anderen Freiwilligen. 

Am Ende sind mir die drei Monate viel zu schnell vergangen und ich wäre am liebsten noch länger dort geblieben. Vor allem wird es mir fehlen wie die Kinder jeden Morgen aus dem überfüllten Schulbus herausgesprungen sind, um anschließend auf mich los zu rennen und mir um den Hals zu fallen. So lässt es sich doch gut in einen Arbeitstag starten und die Verärgerung vom Vortag, die ich über das ein oder andere Kind hatte, dass mal wieder nicht auf mich hören wollte, war sofort vergessen. Zum Glück hatte ich über die meisten Kinder irgendwann die Kontrolle, dennoch gibt es auch immer ein paar Ausreißer, die ich aber auch ins Herz geschlossen habe. Nach einer emotionalen Verabschiedung von den Kindern und einer unglaublichen Fiesta de despedida fiel mir der Abschied umso schwerer. 

Jedoch steht für mich fest, dass ich so bald wie möglich zurückkehren möchte und mich auch weiterhin für meine Organisation einsetzten werde. Zum Beispiel habe ich gemeinsam mit den andern Freiwilligen bei der Deutschen Botschaft in Santo Domingo einen Antrag zur Finanzierung einer Solaranlage eingereicht und befinde mich weiterhin im Kontakt mit der Botschaft, sodass die Partnerorganisation hoffentlich eine der Einrichtungen sein wird, welche eine Förderung erhält. 

Als Fazit zu meinem Freiwilligendienst kann ich sagen, dass ich mich immer wieder dazu entscheiden würde. Ich kam dorthin um Englisch zu unterrichten und habe im Endeffekt zwar mehr Windeln gewechselt, als dass ich Unterricht gegeben habe, da die Kinder im Kulturzentrum mit einem Alter von ein bis fünf Jahren noch viel zu jung für den Unterricht gewesen werden, aber ich habe in dieser Zeit wahrscheinlich so viel mehr gelernt, im Vergleich zu dem, was jemand von mir hätte lernen können. 

Ich denk, dass es sehr wichtig ist andere Kulturen und ihre Lebensweisen kennenzulernen und dafür ist ein Freiwilligendienst die perfekte Möglichkeit. In der dominikanischen Republik ist mir einmal mehr bewusst geworden, dass es nicht viel braucht um im Leben glücklich zu sein und das werde ich mir immer vor Augen halten. Letztendlich denke ich, dass mein Einsatz auf jeden Fall sinnvoll gewesen ist und ich den Mitarbeitern vor Ort einige Aufgaben abnehmen konnte und auch neue Ideen einbringen konnte. 

Ich kann es jedem nur empfehlen nach der Schule erst ein Mal ins Ausland zu gehen. Was ich in den drei Monaten alles erfahren und durchleben durfte, möchte ich nicht missen und werde ich auch niemals vergessen!

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