Sechs Wochen in Nepal

(von Leif, 20.05.2017)

Namaste! Ich war für 6 Wochen als freiwilliger Lehrer im nepalesischen Bergdorf Khudi in der Nähe von Besishar. Nicht nur das Unterrichten, besonders der Alltag im Dorf war eine großartige Erfahrung und hat total Spaß gemacht! In Kathmandu wurde ich vom Leiter der Partnerorganisation in Nepal am Flughafen abgeholt. Im Taxi wurde ich schon mal vom lustigen, freundlichen und Ruhe ausstrahlenden Betreuer über die nächsten Tage und den Freiwilligendienst gebrieft und zu einem Hotel gebracht.

Am nächsten Tag gab es eine interessante Stadtführung durch Kathmandu mit meinem Betreuer, bei der ich über alle weiteren Einzelheiten informiert wurde. Meine einzige Sorge war, dass ich in eine unfreundliche Gastfamilie komme. Als er mir erzählt hat, dass ich (wie jeder Freiwillige in Khudi bisher) bei seinen Eltern unterkommen werde, war ich sehr zuversichtlich.

Dann ging's endlich richtig los: Mit dem Bus fuhr ich 8 Stunden lang nach Khudi. Schon nach ein paar Stunden Fahrt hatte ich zwei schlafende nepalesische Kinder auf dem Schoß. Die Eltern des Betreuers stellten sich als sehr liebenswert und fürsorglich heraus und schon bald hatte ich das Gefühl, "nach Hause" zu kommen, als ich von der Schule zurückkam. Das Haus liegt inmitten von Terassenfeldern und Bananenstauden am Hang und ist von vereinzelten anderen Häusern umgeben, in denen zumeist Kinder wohnen, die nach der Schule mit einem spielen. Ein wunderschöner Alltag! Das Verständigen war am Anfang eine kleine Herausforderung, aber man gewöhnt sich schnell daran und lernt wie von allein ein bisschen Nepali. Bei Schwierigkeiten können die Kinder fast immer helfen, sie sprechen viel besser Englisch als die Erwachsenen.

Das Unterrichten in der Schule war wesentlich entspannter, als es meist dargestellt wurde. Ich konnte mir meine Fächer weitestgehend aussuchen, ich hatte Mathe, Naturwissenschaften und Life Skills (Ethik). Man kann aber auch Englisch, Computer, Geschichte, Geographie und Gesellschaft unterrichten, oder die Kinder in der Bücherei beaufsichtigen. Die Kinder sind zwischen 8 und 16 Jahren alt, auch da kann man Präferenzen bei der Zuteilung mitteilen. Das Unterrichten macht Spaß, die Kinder sind interessiert, besonders wenn man von Deutschland erzählt oder vom Stoff im Buch abweicht und etwas wirklich Interessantes beibringt. Das geht natürlich besonders gut in Mathe und Naturwissenschaften! Es kann aber auch laut werden, wenn man alleine unterrichtet, dann braucht man entweder ein Druckmittel oder etwas, womit man sie locken kann. Ich habe dann meist angeboten, am Ende Bilder aus Deutschland zu zeigen oder die letzten 5 Minuten zu spielen, wenn sie leise sind. Win-Win-Situation, denn Spielen fand ich auch nicht schlecht!

In der Regel hat man dann 3 bis 4 mal am Tag 40 Minuten Unterricht, normalerweise als Assistent eines richtigen Lehrers, aber wenn man will auch alleine. Ich habe nach 2 Wochen nur noch alleine unterrichtet und der Stoff ist auch bei den 16 Jährigen noch so leicht zu unterrichten (die Themen im Schulbuch werden der Reihe nach abgearbeitet), dass es reicht, sich in der kurzen Pause vor der Stunde vorzubereiten oder eben zu improvisieren. Obwohl man an 6 Tagen arbeitet, hat das mit einer "50-Stunden-Woche", von der mir berichtet wurde, nichts zu tun. Der Schultag geht von 10 bis 16 Uhr (aufgestanden wird aber sinnvoller Weise mit dem Sonnenaufgang). 

Die Inhalte sind auf einem überraschend hohen Niveau und auch die Klausuren werden (anders als in Erfahrungsberichten, die ich gelesen hatte) seriös durchgeführt. Ich war in der Woche der Abschlussklausuren dort, sodass ich eine Woche lang Fragen beantwortet und Blätter ausgeteilt habe.

Nach dieser Woche waren eine Woche lang Ferien. Mehr Zeit im Dorf. Verstecken spielen, Karten spielen, Ball spielen... Wenn man möchte, kann man dort selbst nochmal Kind sein. Ich war aber in der Woche meistens am Wandern, das ist nämlich traumhaft dort. Schon beim Aufwachen sieht man die Spitze des Manaslu aus dem Fenster, auf dem Schulweg den ganzen Manaslu, die Spitze der Annapurna und die beiden Südwände der Siebentausender Himal Chuli und Ngadi Chuli. Die Kulisse ist wirklich cool! Wanderungen zu Aussichtspunkten, von denen man noch mehr sieht, sind gut möglich, es ist nur ganz schön heiß. Wer richtig klettern will, kommt auch auf seine Kosten: Der Hausberg hat weiter oben eine Steilwand...

Irgendwann wurde ich dauernd von Familien der Kinder im Dorf zum Abendessen eingeladen. Weil meine Gastfamilie auch immer für mich gekocht hat, gab's dann eben oft 2 mal Abendessen. Man nimmt also nicht ab! In meiner Gastfamilie war das Essen hervorragend. Es gibt zwar zum späten Frühstück und zum Abendessen immer Reis, aber die Currys, Suppen und Eintöpfe dazu variieren und schmecken viel besser als in jedem Restaurant in Kathmandu oder Pokhara. Ich war danach noch einen Monat in Nepal unterwegs und schon bald sehnte ich mich nach dem Essen bei meiner Gastfamilie. Ein weiterer Grund für meinen kurzen Überraschungsbesuch im Dorf kurz vor dem Heimflug...

Über die nepalesische Kultur und Tradition lernt man nicht nur viel, man erlebt sie hautnah! Opfergaben (Reis) beim Essen, kleine Gebetsrituale, das morgendliche Auftragen einer Tika oder das Verzichten auf Gewürze als ein entfernt Verwandter gestorben ist. In der nepalesischen Kultur werden Frauen immer noch diskriminiert. Bei meinen Gasteltern zum Glück nicht: Beide kochen, beide arbeiten auf dem Feld, beide haben gleich viel zu sagen. Nur Alkohol trinken Frauen scheinbar nicht, während ich mit meinem Gastvater ab und zu in der Nachbarschaft hergestellte local-drinks getrunken habe. Das klingt nicht nur nach Urlaub, es fühlte sich in den Ferien und am Wochenende auch danach an!

Meine Gasteltern und einige Nachbarn waren so liebenswert, dass mir der Abschied richtig schwer fiel, obwohl ich mich auf eine warme Dusche, einen Tag ohne Reis, eine Nacht ohne selbst erlegte, faustgroße Spinne an der Wand (das ist übertrieben, das kam nur 5 mal in 6 Wochen vor) und auf Ausschlafen freuen konnte. Auch meine Schüler und das Lehrerkollegium zu verlassen, war nicht leicht. Einige Klassen sind mir ganz schön ans Herz gewachsen. Die Lehrer, mit denen ich interessante Gespräche über ihr Land führen konnte und die dauernd Witze rissen, waren mehr Freunde als Kollegen.

Besonders gefallen hat mir das Leben in der Gastfamilie, das echte, originale Nepal zu erleben. Ich habe auf dem Feld geholfen, Reissäcke den Berg hoch getragen, Feuer zum Teekochen gemacht, Wasser für den Büffel geholt, das traditionelle Schlachten einer Ziege zu Neujahr (das ist dort im April) miterlebt und so viel mehr, was man als normaler Tourist nicht erfahren kann.

Es war also eine wirklich spaßige und vor allem aufschlussreiche Zeit in diesem so anderen, aber wunderschönen Land und ich erinnere mich gern zurück. Und an alle, die auch nach Khudi gehen wollen: Die Leute im Dorf lieben europäische Schokolade und die kleineren Kinder in der Schule reißen sich um mitgebrachte Luftballons. Und wer die hohen Berge sehen möchte, sollte im Herbst oder im Frühling gehen.

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