Meine Zeit in einer Kindertagesstätte in Quito

(von Laila, 21.07.2017)

Mein Tag in Quito beginnt mit einem großen familiären Frühstück: leckere Früchte, Rühreier, aber auch das heimische Nutella darf für mich nicht fehlen. Ich wurde hier toll aufgenommen, neben mehreren anderen Freiwilligen aus Deutschland, aber auch aus den USA.

Nach dem Frühstück nehme ich den Bus zum Kindergarten. Ich betreue dort Kinder im Alter von einem bis zwei einhalb Jahren. Sie kommen alle aus armen Familien, ihre Mütter verkaufen meist Dinge an Straßenkreuzungen. Viele erleben zuhause Alkoholismus und Gewalt, bei einigen spiegelt sich das im Verhalten wieder. 

Dort angekommen, sitzen die Kinder gerade beim Frühstück. Selbst die Kleinsten essen selbstständig mit einem großen Löffel, was ich bewundernswert finde für dieses Alter. Zu dieser Mahlzeit gibt es oft eine Art Brei oder Ei. An einem Kindergartentag gibt es viele Mahlzeiten, aber das ist auch gerechtfertigt, da es zuhause nicht mehr viel gibt für die Kleinen. 

Nach dem Frühstück geht es erstmal zur Toilette. Es gibt mindestens so viele Toilettenbesuche wie Mahlzeiten. Die Kleinen sollen früh ihre Windeln abgewöhnt bekommen, da Windeln für die Eltern auf Dauer zu teuer sind. Deswegen steht gemeinsames Pottytraining an erster Stelle. In der Zeit singt Erzieherin Mireya mit den kleinen Lieder und schaut Bilder an. Für mich war das anfangs etwas ungewohnt, aber mit der Zeit kann ich durchaus nachvollziehen, warum das so gehandhabt wird. 

Vor dem Mittagessen gehen wir in das Spielzimmer, entweder die Kleinen toben und spielen oder wir kneten oder malen gemeinsam. Das Kindergartengebäude ist gerade frisch renoviert und daher noch nicht komplett ausgestattet, aber die Kleinen brauchen nicht viel um glücklich zu sein. Mireya betont immer wieder, dass es am wichtigsten ist, den Kindern mit Liebe und Wärme zu entgegnen, da Nähe für einige zuhause nicht gegeben ist. Das ist vor allem, weil die Eltern bis spät abends auf den Strassen arbeiten, weil ihnen die Mittel fehlend, den Kindern mehr zu bieten, aber auch weil es häufig sehr viele Kinder in einer Familie gibt.

Zum Mittagessen gibt es Suppe und eine weitere Mahlzeit meistens mit Reis. Die Kinder vespern alles ruck zuck weg und sind danach ordentlich müde. Die Kleisten schlafen schon beim Essen ein. Wenn alle ordentlich satt sind, machen wir sie bettfertig und legen alle gemeinsam im Schlafzimmer hin. Nicht lange gehts bis alle im Land der Träume sind. Die Größeren aus den anderen Gruppen haben als Schwierigkeiten, den Schlaf zu finden. Klar, sie sind manchmal schon etwas zu alt für Mittagsschlaf, aber die Erzieher betonen, dass jeder schlafen sollte, da nachts als nicht mit tiefem und langem Schlaf zu rechnen ist, da viele in schlechten Nachbarschaften beziehungsweise garnicht in richtigen Wohnungen wohnen. 

Erwähnenswert finde ich dennoch, dass viele Familien auch private Hilfe annehmen. Die Erzieherinnen und Erzieher sind hier bemüht, nicht nur den Kindern, sondern auch den Eltern zu helfen. Einige haben sich zu einer Ausbildung helfen lassen, um auf Dauer ihrer Familie besseres bieten zu können.

Ich mache mich nun auf den Heimweg, in meiner Gastfamilie treffen sich jetzt alle zum Mittagessen. Anschliessend unternehmen wir was zusammen, in Quito gibt es jeden Tag viel zu sehen!

Nachtrag zum Abschluss 08.08.2017

Nach fünf Wochen in Quito ist meine Zeit hier schon fast vorbei. Ergänzend zu meiner Tätigkeit im Kindergarten konnte ich mit den anderen Freiwilligen, die ich bei meiner Gastfamilie kennengelernt habe, in meiner Freizeit in und um Quito viel erleben. 

Zu Beginn meiner Ecuadorreise standen natürlich der Ausflug zum Mitad del Mundo (Equator) und zum Vulkan Cotopaxi an. Auch den Besuch des Historischen Zentrums Quitos mit der Basilica und dem Panecillo und einen Wochenendausflug nach Baños zum Casa del Arbol (Schaukel am Ende der Welt) und nach Otavalo, zu einem der bekanntesten Artesenia Märkte, liesen wir uns nicht entgehen. 

Außergewöhnlich war unser Besuch bei einer weiteren Freiwilligen, die wir zu Beginn zwei Tage in Quito kennen gelernt hatten, die dann weiter zu ihrem Projekt an die Küste nach Puerto Lopez gefahren ist. Eine Woche verbrachten wir bei ihr und besuchten nicht nur die schönen Strände Ecuadors, sondern auch Agua Blanca und die Isla de la Plata, auf der auch die von den Galapagos Inseln bekannten Blaufusstölpel heimisch sind. Auch das touristische Whalewatching vor der Insel liessen wir uns nicht entgehen. 

Des weiteren kann ich zu meinem Freiwilligendienst in Quito sagen, dass alle anfänglichen Ängste bezüglich der Gastfamilie, ihrem Zuhause und vor dem Alleinsein in der Fremde hier völlig unnötig waren. Ganz im Gegenteil, ich durfte hier im gemütlichen Heim einer tollen Gastfamilie unterkommen und war dazu nie alleine und habe mich sehr wohl gefühlt. Rund um die Uhr wurde ich hier mit gutem lokalen Essen versorgt und konnte meine ärmlichen Spanischkenntnisse um einiges aufbessern. 

Rückblickend auf alles bin ich total happy mit meiner Zeit in Quito. Ich schätze mich sehr glücklich, derartig tolle Erfahrungen hier gemacht haben zu können, in der Gastfamilie, sowie auch im Kindergarten und so viele neue Freunde gefunden zu haben, mit denen ich so viele schöne Erinnerungen teile. Ich freue mich jetzt schon darauf, alle wieder zu treffen und verlasse Ecuador am Sonntag auf jeden Fall auch mit einem weinenden Auge.

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