Meine Zeit in Ghana

(von Nicola, 14.09.2017)

Ich durfte meine drei Wochen in einem winzigen Dorf namens Nsutem im Süd-Osten Ghanas verbringen. Meine Unterkunft befand sich direkt im Kinderheim, was mir die einmalige Gelegenheit gab, direkt in das Leben der Dorfbewohner einzutauchen, ohne abseits in einer Gastfamilie betreut zu werden. Daher fingen meine Aufgaben direkt nach dem Aufstehen am frühen Morgen an.

Zuerst fegte ich mit den kleineren Kindern den Außenbereich des Heims. Anschließend gesellte ich mich zu den Jugendlichen, um beim Abwasch zu helfen, was gut 1-2 Stunden in Anspruch nahm, bis das Geschirr von 20 Kindern und den Betreuern wieder sauber war.

Nach dem Frühstück begann der Unterricht in der Schule, die sich auf der anderen Seite einer Wiese gegenüber des Kinderheims befand. Da im August Schulferien waren, kamen nur ein paar Kinder zu den freiwilligen „vacation lessons“. Ich musste also keinen strengen Unterrichtsplan einhalten, sondern konnte meine Unterrichtsstunden frei gestalten. So unterrichtete ich Mathematik, Englisch oder Naturwissenschaften. An Tagen, an denen nur wenige Kinder zur Schule kamen, übte ich mit einzelnen Schülerinnen und Schülern Lesen.

Nach der Schule verbrachte ich meistens meine Nachmittage mit den Kindern. Wir spielten, lasen gemeinsam oder machten Hausaufgaben. Nach dem Abendessen saßen wir oft noch draußen beisammen und redeten miteinander über unsere unterschiedlichen Leben. An ein paar Abenden versuchten die Kinder, mir Twi (Amtssprache neben Englisch in Ghana) beizubringen.

Trotz der sehr einfachen Lebensweise dort konnte ich sehr viel lernen und immer wieder staunte ich über ganz banale Alltagssituationen, die man sich in Deutschland niemals vorstellen könnte. So lebten wir direkt mit den Tieren sozusagen unter einem Dach. Überall liefen Ziegen, Schafe und Hühner herum (auch auf den Tischen!). Auch Cash, die Hündin, war stets dabei.

Am meisten beeindruckt hat mich das Kochen, wobei die meisten Zutaten aus unserem Garten kamen. Mit viel Zeitaufwand verbunden wurde teilweise stundenlang das Essen zubereitet, über dem Feuer gekocht und Gemüse zu einer Art Knödel zerstampft. Traditionelle Gerichte wie Fufu mit Palmkernsuppe, Banku, Süßkartoffeln und Reis mit Soße und Gemüse standen an der Tagesordnung. Alles war sehr lecker.

Alles wird von Hand gemacht, daher wundert es mich nicht, dass die Mentalität der Ghanaer so anders ist als unsere. Sie sind einfach viel entspannter und geduldiger. Jeden Tag aufs Neue wurde ich von ihrer Offenheit und Hilfsbereitschaft überzeugt.

Trotz der kurzen Zeit, die unglaublich schnell vorrüberging, habe ich viel in Ghana erlebt und gesehen. Neben dem unglaublich interessanten Alltagsleben hatte ich an den Wochenenden Zeit, etwas von Ghana zu sehen. So fuhr ich an einem Wochenende nach Cape Coast, eine Stadt direkt am Meer, wo es viel zu entdecken gibt. Dort besuchte ich beispielsweise das Cape Coast Castle, eine Festung, in der Sklaven bis zu ihrer Verschiffung gefangen gehalten wurden. Ein etwas fröhlicheres Erlebnis war die Tour durch den Kakum Nationalpark, nicht weit von Cape Coast entfernt. Besonders gefallen haben mir die Boti Falls, in denen ich auch schwimmen durfte.

Auch die Märkte in den Städten Ghanas sind eine Sehenswürdigkeit an sich. Die wunderschöne grüne Landschaft hat alle meine Erwartungen übertroffen und mein Bild von Afrika vollkommen auf den Kopf gestellt. Die Regenwälder sind überwältigend und die verschiedenen Pflanzen mit den unterschiedlichsten Früchten sind unbeschreiblich. Ob Mango, Ananas, Kokosnuss oder Koko - alles konnte man frisch kaufen, oder in meinem Fall aus dem Garten pflücken.

Alles in allem kann ich fast nur positives von meinem Aufenthalt in Ghana mitnehmen. Obwohl ich sehr abgeschieden lebte, hatte ich die Möglichkeit, mit anderen Volunteers in Kontakt zu kommen, was ich auch meinem Betreuer zu verdanken habe. Er gab sich große Mühe, mir eine schöne Zeit zu ermöglichen. Ich fühlte mich immer sicher und gut betreut.

Ich habe sehr viel gelernt und eine neue Sichtweise auf das Leben gewonnen. Noch nie habe ich so viel Leid und Lebensfreude zur selben Zeit gesehen. Ich bin begeistert, wie lebensfroh und zuvorkommend die Menschen waren, denen ich begegnet bin. Ich habe viel aus meinem Aufenthalt in Ghana mitnehmen können.

Ich kann nur jedem empfehlen, diese Erfahrungen zu machen und für ein paar Wochen in ein anderes Leben zu tauchen. Das Projekt ist es unbedingt wert, Hilfe zu bekommen. Ich hoffe weiterhin, das Projekt aus der Ferne unterstützen zu können und kann jedem, der mit dem Gedanken spielt einen Freiwilligendienst mit Kindern zu leisten, dieses Projekt ans Herz legen.
Auch die Organisation seitens Welt-Sicht verlief reibungslos und gut organisiert. Vielen Dank dafür!

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